„Reflexintegrationstrainerin“ – bei diesem Begriff stolpern viele Menschen erst einmal. Und er klingt tatsächlich ein bisschen wie ein Zungenbrecher. Vielleicht geht es dir genauso.
Doch was genau steckt dahinter? Was bedeutet das – und warum haben frühkindliche Reflexe nicht nur Einfluss auf Kinder, sondern manchmal auch noch auf Jugendliche und Erwachsene?
Viele Menschen wissen nicht, dass wir bereits in der Schwangerschaft mit bestimmten Bewegungsmustern ausgestattet werden. Diese sogenannten frühkindlichen Reflexe helfen uns, uns vom hilflosen Baby zum aufgerichteten, selbstständig gehenden Menschen zu entwickeln.
Doch was passiert, wenn diese Reflexe ihre Aufgabe nicht vollständig beenden? Genau hier setzt meine Arbeit als Reflexintegrationstrainerin an.
Das erwartet dich in diesem Beitrag
Was sind frühkindliche Reflexe?
Stell dir vor, du bekommst bei deiner Geburt kleine „Fitnesstrainer“ mitgeliefert.
Diese Trainer helfen dir in den ersten Lebensmonaten dabei, dich vom hilflosen Baby zum aufgerichteten, laufenden Menschen zu entwickeln. Diese „Fitnesstrainer“ nennen wir in der Fachsprache frühkindliche Reflexe.
Sie entstehen bereits in der Schwangerschaft und begleiten uns:
- im Mutterleib
- während der Geburt
- im gesamten ersten Lebensjahr
Ihre Aufgabe ist es, die motorische Entwicklung zu steuern. Sie helfen dem Baby:
- sich aus der Rückenlage auf den Bauch zu drehen
- sich in den Vierfüßlerstand aufzurichten
- sich hinzusetzen
- zu stehen
- die ersten Schritte zu machen
Jede dieser Bewegungen sorgt dafür, dass sich das Gehirn weiter vernetzt und reift. Ohne frühkindliche Reflexe wäre eine gesunde körperliche und geistige Entwicklung kaum möglich. Doch so wichtig frühkindliche Reflexe am Anfang sind – sie müssen ihre Aktivität irgendwann (wieder) einstellen.
Und genau das ist nicht immer der Fall.
Warum müssen frühkindliche Reflexe „gehemmt“ werden?
Im Idealfall passiert Folgendes:
Sobald ein Kind genug Körperkontrolle, Koordination und Stabilität entwickelt hat, erkennen die frühkindlichen Reflexe: „Meine Arbeit ist getan.“
Man kann sagen: Sie hängen symbolisch ihr Handtuch an den Nagel und ziehen sich zurück. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie verschwinden. Frühkindliche Reflexe bleiben im Nervensystem gespeichert – sie werden lediglich in ihrer Aktivität gehemmt. Sie treten in den Hintergrund, damit bewusste, willkürliche Bewegungen die Steuerung übernehmen können.
Und genau das ist entscheidend für eine gesunde neurologische Reifung. Denn nur wenn frühkindliche Reflexe ihre Aktivität einstellen, kann sich das Gehirn weiterentwickeln und höhere Fähigkeiten wie Konzentration, Feinmotorik und emotionale Regulation stabil ausbilden.
Was passiert, wenn frühkindliche Reflexe (rest)aktiv bleiben?
Leider ist es heute bei vielen Kindern – und auch bei Erwachsenen – so, dass diese Reflexe nicht vollständig gehemmt werden. Das bedeutet: Die kleinen „Fitnesstrainer“ gehen nicht ins Sportlerheim. Sie bleiben (rest)aktiv.
(Restaktiv heißt: Sie arbeiten noch mit – obwohl sie eigentlich längst Feierabend haben sollten.)
Und genau das kann anstrengend werden. Denn diese inneren Fitnesstrainer funken immer wieder dazwischen. Sie übernehmen unbewusst die Steuerung, obwohl das bewusste Bewegungs- und Denksystem eigentlich längst das Kommando haben sollte.
Die möglichen Folgen bei Kindern können sich ganz unterschiedlich zeigen. Zum Beispiel durch:
- starke Schreckhaftigkeit oder häufiges Zusammenzucken
- Schwierigkeiten, ruhig auf dem Stuhl sitzen zu bleiben
- ständiges Kippeln oder „Zusammensacken“ beim Sitzen
- schnelle Ablenkbarkeit
- große Anstrengung bei Hausaufgaben
- verkrampfte Stifthaltung oder sehr hoher Druck beim Schreiben
- Probleme, in der Zeile zu bleiben oder Buchstaben zu verwechseln
- häufiges Stolpern oder Anstoßen
- Ungeschicklichkeit beim Ballfangen oder Fahrradfahren
- emotionale Überreaktionen bei kleinen Auslösern
Manche Kinder wirken einfach „zappelig“. Andere sind eher still, aber ständig innerlich angespannt. Und oft hört man Sätze wie: „Er könnte es doch – wenn er nur wollte.“
Doch wenn die kleinen „Fitnesstrainer“ im Hintergrund weiterarbeiten, kostet jede Bewegung und jede Konzentrationsleistung deutlich mehr Energie. Für das Kind bedeutet das: Es muss deutlich mehr Energie aufbringen als andere – für scheinbar einfache Dinge.

Du willst wissen, ob und wie sehr aktiv die kleinen „Fitnesstrainer“ bei deinem Kind noch sind?
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Mit gezielten Fragen kannst du einschätzen, ob restaktive frühkindliche Reflexe eine Rolle spielen könnten.
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Und bei Erwachsenen? Da zeigen sich oft andere Signale, zum Beispiel:
- chronische Überforderung
- innere Anspannung
- Kopfschmerzen
- Verspannungen im Schulter-Nacken-Bereich
- Rückenschmerzen
- Gleichgewichtsprobleme
- schnelle Ermüdung
- eine dauerhaft angespannte Körperhaltung
- Haltungsschwächen – in manchen Fällen sogar strukturelle Fehlhaltungen wie eine Skoliose
Viele Betroffene haben bereits Physiotherapie, Osteopathie oder Entspannungstechniken ausprobiert – und wundern sich, warum die Beschwerden immer wieder zurückkehren. Wenn die „Fitnesstrainer“ im Hintergrund weiterarbeiten, steht der Körper dauerhaft unter subtiler Spannung. Und genau das kann sich über Jahre hinweg bemerkbar machen.
Was macht eine Reflexintegrationstrainerin?
Als Reflexintegrationstrainerin unterstütze ich Kinder, Jugendliche und Erwachsene dabei, restaktive frühkindliche Reflexe nachträglich zu integrieren. Das Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass nicht vollständig gehemmte Reflexe ihre Aktivität einstellen – also ihren ursprünglichen Entwicklungsauftrag wirklich abschließen.
Wichtig zu wissen: Unser Gehirn ist formbar. Neurobiologisch wissen wir heute, dass das Nervensystem ein Leben lang lernfähig ist – ähnlich wie ein Muskel, der trainiert werden kann. Durch gezielte, strukturierte Bewegungsübungen wird das Nervensystem angeregt, die noch aktiven Reflexe „nachreifen“ zu lassen. Dabei orientieren wir uns an natürlichen frühkindlichen Bewegungsabläufen.
Man könnte sagen: Die kleinen „Fitnesstrainer“ bekommen noch einmal die Information: „Danke, dass du so gut auf mich aufgepasst hast. Aber heute darfst du ins Sportlerheim zurückkehren.“
Wenn frühkindliche Reflexe ihre Aktivität einstellen, zeigen sich häufig spürbare Veränderungen – körperlich, emotional und kognitiv.
Warum betrifft Reflexintegration nicht nur Kinder?
Viele Menschen denken, frühkindliche Reflexe seien ausschließlich ein Thema für Babys oder Kleinkinder. Doch wenn sie nicht vollständig integriert wurden, begleiten sie uns bis ins Jugend- und Erwachsenenalter. Das erklärt, warum manche Schwierigkeiten trotz Therapie, Coaching oder Lerntraining bestehen bleiben: weil die eigentliche Ursache im Nervensystem liegt.
Reflexintegration kann daher:
- Kinder in ihrer Lernfähigkeit stärken
- Jugendliche bei Konzentrationsproblemen unterstützen
- Erwachsenen bei Stressregulation und körperlicher Stabilität helfen
Wenn die kleinen „Fitnesstrainer“ wirklich Feierabend machen dürfen
Frühkindliche Reflexe sind kein Randthema.
Sie sind ein fundamentaler Bestandteil unserer Entwicklung.
Wenn sie im richtigen Moment aktiv sind, helfen sie uns beim Großwerden.
Wenn sie im falschen Moment aktiv bleiben, können sie uns unbewusst blockieren.
Reflexintegration bedeutet deshalb nicht, „etwas zu reparieren“, sondern Entwicklungsschritte nachzuholen – damit Körper und Nervensystem in Balance kommen.
Können frühkindliche Reflexe im Erwachsenenalter noch integriert werden?
Wie lange dauert eine Reflexintegration?
Ist Reflexintegration wissenschaftlich anerkannt?
Woran erkenne ich, ob bei meinem Kind frühkindliche Reflexe noch (rest)aktiv sein könnten?
Was kann ich als nächstes tun?
Weiterführende Beiträge
- Negative Einflussfaktoren – Wenn Entwicklung aus dem Gleichgewicht gerät
- Wie ein frühkindlicher Reflex das Lesenlernen erschweren kann – und was bei LRS und ADHS wirklich helfen kann
- Was ist Reflexintegration? Und wie wirkt Reflexintegrationstraining?
- Reflexintegration: Die 11 größten Mythen – und was wirklich stimmt

